Filmtipp#4

Nader und Simin – Eine Trennung (2011)

Inhalt:

Simin möchte mit ihrem Mann Nader und Termeh, ihrer Tocher aus ihrem Heimatland, dem Iran, auswandern. Davon erhofft sie sich vor allem für ihre Tochter ein besseres und unbeschwerlicheres Leben. Eigentlich ist auch alles soweit schon vorbereitet, doch dann bringt es Nader nicht übers Herz seinen an Alzheimer erkrankten und pflegebedürftigen Vater im Iran zurück zu lassen. Daraufhin möchte sich die hartnäckige Simin von ihrem Mann scheiden lassen und zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus.
Nader bleibt somit nichts anderes übrig, als jemanden zur Pflege seines Vaters einzustellen, da er plötzlich samt Haushalt, Kindererziehung und Job alleine dasteht. Die schwangere Razieh übernimmt diese Aufgabe und ist damit bald selbst überfordert. Als Nader dann eines Tages von der Arbeit nach Hause kommt und seinen Vater allein und ans Bett gefesselt in der Wohnung vorfindet, eskaliert die ganze Situation.

Trailer:

Meinung:
Ich persönlich habe einen höchst politischen Film über den Iran erwartet. Bekommen habe ich dann eher ein Familiendrama über eine erbitterte Fehde zwichen zwei iranischen Familien. Der Film ist also nicht gerade überpolitisiert und auch keine überzogene Verteufelung des Irans, sondern man entdeckt eher subtile Andeutungen. Interessant war für mich vor allem, die Art und Weise wie einem das Rechtssystem näher gebracht wird und wie das dort alles so funktioniert. So kann ich mich auch nicht von dem Vorurteil freisprechen, dass ich nicht mit derartig „zivilisierten“ Gerichtsverfahren gerechnet hätte – werden einem meist doch eher Bilder von brutalen Steinigungen gezeigt (nicht, dass es die nicht auch geben würde). Aber das ist vielleicht auch wieder das Paradoxe daran. Einerseits dürfen sich beide Familien vor einem (religiösem) Richter selbst verteidigen und Zeugen vorbringen. Andererseits kann sich Simin nur nach einer Einverständniserklärung ihres Mannes auch von ihm scheiden lassen. Außerdem ist und bleibt die letzte Instanz vor der man sich zu rechtfertigen hat, immernoch Allah.
Letztendlich dreht sich der Film also eher um die Widersprüche zwischen Recht und Unrecht, Moral und Religion.

Die schauspielerische Leistung ist ziemlich gut, keine der Rollen wirkt aufgesetzt oder unecht. Das trägt dazu bei, dass der ganze Film überzeugend authentisch eine ganz normale Geschichte von ganz normalen Menschen im Iran erzählt.

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